Nabu Burgdorf-Lehrte-Uetze Löwenzahn

 

Löwenzahn
Taraxacum officinalis

 

Von Margaretha Ehlvers

 

Pusteblume, Kuhblume, Butterblume, Kettenblume, Bettseicher, Pissenlit (aus dem französischen eingedeutscht, drückt in drastischer Weise die Wirkung der Pflanze auf die Nieren aus). Er ist die Pflanze mit den meisten Volksnamen, 500 bis 600 werden geschätzt. Die amerikanische Kräuterfrau Susan Weed schlägt vor, dem Löwenzahn die Ehrendoktorwürde zu verleihen: Dr. s.h. "Doktor Selbstheilung".

Ausdauernde Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse (Compositae) mit langer Pfahlwurzel (bis 30 cm lang) und einer grundständigen Blattrosette. Mit der Pfahlwurzel holt die Pflanze die Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten und reichert den Boden mit Wurzelsekreten an. Die Blätter sind bis 25 cm lang, stark gelappt und grobgezähnt. Das Blütenköpfchen besitzt zahlreiche leuchtend gelbe Blüten, die wetterfühlig sind, bei Regen bleiben sie geschlossen. Der Stängel ist hohl und enthält - wie die ganze Pflanze - einen weißen Milchsaft. Die Früchte haben eine weiße, strahlenförmig ausgebreitete Haarkrone. Die Fruchtstände, die Pusteblumen, wurden zu allen Zeiten als Liebesorakel befragt. Blütezeit: April bis Juni. Er verwandelt ganze Wiesen in gelbe Blütenmeere.

Der Löwenzahn ist auf der nördlichen Erdhalbkugel heimisch, vor allem auf Wiesen und Weiden, an Wegrändern, auf Ackerflächen. Mit seiner Kraft sprengt er sogar die Teerdecken von Straßen und Fahrwegen. Verwechslungen mit giftigen Pflanzen sind auch für ungeübte Sammler praktisch ausgeschlossen.

 

Verwendete Pflanzenteile:

Die ganze Pflanze, die in den Monaten April und Mai mit den Wurzeln aus der Erde gestochen und bei künstlicher Wärme bis 40 0 C getrocknet wird. Löwenzahn schmeckt einfach bitter - und gut! Die Pflanze ist wertvoller als jede Vitaminpille wegen des hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalts, zu verwenden als belebende Zutat zu Salaten, Suppen und Soßen.

 

Wirkstoffe:

Bitterstoffe, Fruktose, Inulin, Kalium, Eisen, Vitamine

 

Heilwirkung:

Die Zubereitungen des Löwenzahns (Teeaufguss, Frischpflanzenpresssaft) haben eine harntreibende Wirkung. Deshalb wird die Droge allein oder als Bestandteil von harntreibendem Tee zur unterstützenden Behandlung von rheumatischen Beschwerden und Nierensteinleiden eingesetzt. Auf Grund des Bitterstoffgehalts wirkt der Löwenzahn auch anregend auf Magen- und Gallensaft. Der Tee wird vorbeugend gegen Gallenkoliken, bei Verdauungsbeschwerden und Völlegefühl verwendet. In der Volksmedizin wird er auch als .Blutreinigungsmittel" verwendet.

 

Geschichtliches:

Der Löwenzahn hatte bereits in der griechischen Sagenwelt einen festen Platz. Die Zaubergöttin Hekate soll mit ihm den Helden Theseus bewirtet haben. Deshalb wird die Wurzel am besten im November, dem Monat Hekates, gesammelt.

Dem Hexenglauben nach soll sich jeder Wunsch erfüllen, wenn man sich von Kopf bis Fuß mit Löwenzahn einreibt.

Auch die Indianer Nordamerikas schätzten den Löwenzahn und rauchten seine getrockneten Blätter bei bestimmten schamanischen Ritualen.

Er wurde nicht von anderen gelb blühenden Korbblütlern unterschieden. Auch die mittelalterlichen Autoren und Hildegard von Bingen erwähnen ihn nicht. Erst in den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts (Hieronymus Bock) fand er eine umfangreiche Darstellung.

 

Verwendung in der Küche:

 

Löwenzahnsalat:

Zarte junge Blätter in Streifen schneiden (wie Endiviensalat) und mit Essig und Öl, Senf und saurer Sahne anmachen. (Sollten die Löwenzahnblätter zu bitter schmecken, werden die Blattspitzen abgeschnitten, denn hier sitzen die meisten Bitterstoffe. Niemals die Blätter lange wässern, dadurch gehen wichtige Inhaltsstoffe verloren.)

 

Löwenzahnknospen:

Die kleinen Blütenknospen sammeln, kurz abkochen, abtropfen lassen, in Butter dünsten und mit Pfeffer und Salz, Petersilie und Zitronensaft abschmecken.

 

Blütenpfannkuchen:

Das Gelbe der Löwenzahnblüten oder klein geschnittene grüne Blätter in einen Pfannkuchenteig rühren und mit ausbacken.

 

Kapern:

Löwenzahnknospen abspülen, salzen, mit heißem Essig übergießen und ruhen lassen. Dann mit klein geschnittener Zwiebel, Knoblauch (oder anderen Kräutern) in Gläser schichten und mit Olivenöl bedecken.

 

Löwenzahnsirup:

4 Hände voll frische Löwenzahnblüten, ca. 1 Liter Wasser, 1 kg Zucker, 2 ungespritzte Zitronen evtl. etwas Zitronenthymian Die Blütenköpfe (ohne das Grün) in das Wasser geben, kurz aufkochen, vom Herd nehmen und 24 Std. ziehen lassen. Die Blüten abseihen und den so gewonnenen Blütenauszug abmessen und mit der gleichen Menge Zucker verrühren. Zitronenscheiben dazugeben, aufkochen und zu Sirup eindicken. Noch heiß in Schraubgläser füllen.

 

Löwenzahnblütenschnaps:

30 Löwenzahnblüten abspülen, abtropfen lassen. In weithalsige Flasche geben, mit 1 Liter Doppelkorn oder Wodka auffüllen, fest verschließen. 4 bis 6 Wochen ziehen lassen, abseihen. Haltbarkeit: einige Jahre

 

Kaffee aus Löwenzahnwurzeln:

(Das Aroma soll sich mit dem der echten Bohnen durchaus messen können.) Man gräbt die Wurzeln im Herbst aus, wenn sie am dicksten sind.

500 g Löwenzahnwurzeln werden gewaschen und mit einer harten Bürste gründlich abgeschrubbt (nicht schälen!). In Yz cm dicke Scheiben schneiden und 3 - 6 Tage in der Sonne trocknen lassen.

Den Backofen auf 100° C vorheizen. Die Wurzelscheiben etwa 30 Minuten rösten. Sie sollen dabei schön braun werden. In einem fest verschlossenen Glas aufbewahren.

Für eine Tasse Löwenzahnwurzelkaffee 1 EL grob gemahlene Wurzeln in kochendes Wasser geben, 1 Minute kochen lassen und dann abseihen.