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31. Mai 2014

Trafoturm Kolshorn

 

Trafoturm

Der fertig renovierte Trafoturm
Foto: Bernd Rose

 

Unser Trafoturm in Kolshorn, welchen wir von der Region Hannover 1997 gepachtet haben, ist in die Jahre gekommen. Speziell an der Wetterseite bröseln die Fugen, Steinziegel sind porös. Die Gefahr von herabfallenden Steinteilchen wurde immer größer. In der Haftungsfrage waren wir nun gefordert.

Der Turm musste schnellstens renoviert werden. Nach ersten Kostenvoranschlägen belief sich die komplette Renovierung auf ca. 6.000 €. Zuviel für unsere Ortsgruppe. Die Bingo-Umweltstiftung fördert solche Maßnahmen leider nicht; der Region Hannover war es zu teuer. Als Alternative hätte man den Turm abreißen lassen müssen. Dann wären jedoch die unter dem Dach brütenden Schleiereulen obdachlos geworden. Das sollte auf keinen Fall passieren. Nach langem Suchen fanden wir einen ehemaligen Maurer, welcher in seiner Freizeit zumindest die brüchigen Stellen fachgerecht ausbessert. Dies geschah dann in den Monaten Juli – November 2013.

Schleiereulen - Foto: Peter Urban

Schleiereulen im Nest
Foto: Peter Urban

Das Gerüst wurde je nach Arbeitsgang entsprechend aufgestockt. So wurde mit einigen neuen Steinen und viel Zement renoviert. Gleichzeitig wurden an zwei Seiten neue Fledermausbretter angebohrt. Versehen mit einer Dachpappe gegen Feuchtigkeit und unserem Werbeschild NABU, sowie einigen Mauerseglerkästen, wurden die Maurerarbeiten abgeschlossen. Ins Auge fielen jetzt nur noch die hellen Zementflecken auf den Steinen. Wir entschlossen uns, diese grob zu übermalen. Nach einem Anstrich mit Tiefengrund wurde relativ schnell die ausgebesserte Wetterseite gestrichen. Aufgrund der Höhe nicht ganz ungefährlich.

Nun wird noch überlegt, ob nicht auch noch die restlichen drei Turmseiten gestrichen werden können. Eventuell kann man auch einige Tiermotive mit hinzufügen. Die Farbgestaltung und Ausführung könnte man eventuell auch mit Jugendlichen als eine Art „Workshop – Sprayen“ durchführen lassen. Ideen sind vorhanden; was fehlt sind die „Mäuse“. Nicht nur für die wieder brütenden Schleiereulen.

Bernd Rose

 

15. März 2011

Hilfe für Schleiereulen

 

Schleiereulenkasten

Ein Schleiereulenkasten wird gebaut
Foto: Ernst Schmidt

 

Die Schleiereule ist unsere schönste heimische Eule. Diese Eulenart ist ein so genannter Siedlungsfolger. Sie brütet fast ausschließlich in von Menschen geschaffenen Gebäuden, wie Scheunen, Kirchtürmen. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus Mäusen (97 %). Selten erbeutet sie Kleinvögel.

Vorwiegend jagt diese nachtaktive Eule auf Wiesen und Weiden, aber auch auf Ackerlandflächen und in den Scheunen der Landwirte nach Wühlmäusen und Hausspitzmäusen.

Vom Nahrungsangebot hängt ihr Bruterfolg ab. Alle 3 bis 4 Jahre haben wir ein Mausgradationsjahr (Mäuseschwemme). In diesen Jahren ist der Bruterfolg besonders hoch. 6 bis 10 Jungeulen werden je Brut dann aufgezogen. Schleiereulen brüten häufig zweimal im Jahr, sehr, sehr selten dreimal.

In besonders schneereichen Wintern über einen längeren Zeitraum nimmt ihr Bestand stark ab, weil Schleiereulen sich keine Fettreserven anfressen können und sehr Kälte empfindlich sind. Nach 7 Tagen ohne Nahrung verhungern Schleiereulen. Auch in diesem Winter gerieten unsere Schleiereulen wieder in Not, weil sie Schneehöhen über 7 cm von ihrer wichtigsten Nahrungsquelle, den Mäusen abschnitten.

Montage

Montage
Foto: Ernst Schmidt

Aus diesem Grund wurden von Dieter Kleinschmidt, Berthold Scheller und mir 9 Futterstellen für Schleiereulen eingerichtet.

In der Zeit vom 27. Dezember bis 18. Januar haben wir an den angenommenen 4 Futterstellen 220 Mäuse an die Eulen verfüttert.

Bereits durch den schneereichen Winter 2009/2010 sind die Schleiereulenbruten in unserem Bereich stark zurückgegangen. 2010 haben wir 6 Bruten mit insgesamt 26 Jungeulen festgestellt. Gegenüber 2007 mit 50 Bruten und über 300 Jungeulen, ein Rückgang von ca. 90 %.

Viel Arbeit haben wir auch im zurückliegenden Jahr in das Auswechseln von Schleiereulennistkästen gesteckt.

16 Nistkästen die zum Teil 32 bis 22 Jahre alt und brüchig waren, wurden entfernt und durch neue ersetzt.

Dieter Kleinschmidt und ich wurden bei diesen Aktionen abwechselnd von Dietmar Siems, Günther Keller, Hermann Schmidt, Lothar Heuer und Ernst Schmidt unterstützt.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Horst Berger, Karl-Heinz Nilius und Karl Tannenberg, die uns die großen Schleiereulennistkästen gebaut haben.

 

 

Erhard Zander, Naturschutzbeauftragter

 

Schleiereulenschutz

 

Schleiereulen - Foto: Erhard Zander

Junge Schleiereulen
Foto: Erhard Zander

 

Fauchkonzert im Wohnzimmer der Schleiereulen

Tock, tock, tock. Ich bin höflich und klopfe am Nistkasten an, um Mutter Schleiereule Gelegenheit zu geben, diskret und auf lautlosen Schwingen durch das Einflugloch im Scheunengiebel zu verschwinden. Ihre 7 Jungen muss sie zurücklassen - zu treuen Händen. Etwa 30 Tage alt ist das jüngste, 44 Tage das älteste und größte der 7 Schleiereulenjungen in Habermanns Scheune in Hänigsen.

Das Nesthäkchen hat noch ein elfenbeinfarbenes Dunenkleid, der herzförmige Gesichtsschleier glänzt weiß und seidig, während beim großen Bruder - oder ist es die große Schwester - bereits das Federkleid erkennbar ist. Die Jungen sitzen in einer Ecke Ihres Kinderzimmers zusammengedrängt und ihr Fauchkonzert klingt gefährlich, als ich die Rückwand des Nistkastens öffne. Aber das hilft nichts - unten in der Scheune warten 30 Kinder und 24 Erwachsene, die an der heutigen Eulenexkursion und Nistkastenkontrolle teilnehmen.

Ich fange und lege vorsichtig drei Jungtiere in meine Eulentasche und verlasse den Brutkasten, der in 8 m Höhe in der Scheune hängt. Die Kinder sind ganz begeistert, als sie die Jungeulen anfassen dürfen. So können sie erfühlen, welch weiches Gefieder Eulen haben. Es ist aber nicht nur schön anzufassen sondern auch sehr praktisch: Die weichen Federn machen keine Geräusche beim Fliegen. Eulen dürfen auf ihren Pirschflügen durch eigene Fluggeräusche nicht gestört werden und ihre Beutetiere dürfen sie beim Anflug nicht hören.

Die jungen Schleiereulen hatten alle einen prallgefüllten Magen; ein Zeichen, dass die Eltern genügend Beutetiere (Mäuse) in diesem Sommer fangen konnten. Nach diesem Erlebnis hören die Kinder und Erwachsenen ganz interessiert zu

- wie ich über die Beringung der Schleiereulen für die Vogelwarte Helgoland berichte
- wie eine "meiner" Schleiereulen Weltrekord geflogen ist
- welche Tierarten noch unsere Schleiereulennistkästen bewohnt haben
- wie ich von Zweitbruten, Schachtelbruten und Mausgradationsjahren erzähle
- und was ich über die Biologie und anderes berichte.

Besonders begeistert sind die Kinder, als ich noch einige Gewölle der Schleiereulen auseinander nehme und alle noch einen Knochen von einer Maus aus dem Speiballen mitnehmen dürfen.

In der Gemeinde Uetze sowie in den Städten Burgdorf und Lehrte hat unsere Eulengruppe 85 Nistkästen für Schleiereulen aufgehängt. Seit 1979 sind aus diesen Nistkästen über 3000 junge Schleiereulen, 20 junge Waldkäuze, 150 junge Turmfalken und ein Kuckuck, der von Bachstelzen aufgezogen worden ist, ausgeflogen. 500 junge Schleiereulen habe ich für wissenschaftliche Zwecke für die Vogelwarte Helgoland in den Jahren 1983 - 1992 beringt. 72 Wiederfundmeldungen habe ich von der Vogelwarte erhalten. 1986 ist eine beringte junge Schleiereule 1863 km bis Cartagena in Südspanien geflogen, dort wurde sie gefangen und wieder freigelassen. Der nachweißlich auf der Welt weiteste Wiederfund einer Schleiereule.

Sollte ich ihr Interesse für unsere aufwendige Arbeit zum Schutze der Schleiereulen geweckt haben, rufen Sie mich bitte an.

Erhard Zander, Naturschutzbeauftragter, Tel. 05147/1735 Leiter der Schleiereulen AG

 

 

Bei Fragen zu Schleiereulen wenden Sie sich bitte an:

 

 Erhard Zander
 Telefon (05147) 1735