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4. Juni 2014

Eine Fledermausgeburt

Bernd Rose als Geburtshelfer

Die neugeborene Zwergfledermaus wird abgeleckt
Video: Bernd Rose

 

Am 4. Juni 2014 wurde ich zur Kindertagesstätte in der Lippoldstraße in Burgdorf gerufen. Vormittags um 10.00 Uhr fanden die Kinder bei Sonnenschein auf dem Rasen eine Fledermaus. Sie wurde vorsichtig in einen Karton gelegt und über den NABU Landesverband in Hannover meine Telefonnummer erfragt.

Um 11.20 Uhr hatte ich die Zwergfledermaus in der Hand. Das Fell war verklebt, das Tier machte einen erschöpften Eindruck. Der Flügel war nicht gebrochen; auch sonst sah ich keine äußere Verletzung. Ich klärte die anwesenden Kindergartenkinder über die Fledermaus auf und bedankte mich für ihren schnellen Hilferuf. Die Erstversorgung zu Haus erfolgte von mir mit einigen Tropfen Wasser und dem anbieten von Nahrung. Nach kurzem Zögern wurden einige Mehlwürmer verspeist.

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Direkt nach der Geburt
Foto: Bernd Rose

Das Säubern des verklebten Felles erfolgte mittels einigen Tropfen Sonnenblumenöls und Wattestäbchen. Zum trocknen des Felles wurde das Zwergfledermausweibchen vorsichtig mit einem Papiertuch abgerieben. Zu diesem Zeitpunkt wog das Weibchen 7 Gramm. Ein gutes Gewicht; ahnte ich jedoch noch nicht, was da auf mich zu kommen sollte. Da das Fell durch die Säuberung noch etwas feucht war, stellte ich um 22.00 Uhr eine Flasche mit warmen Wasser und einer Socke darüber in das Terrarium. Der Fledermaus tat die Wärme gut.

Um 0.10 Uhr saß sie auf dem Flaschendeckel über dem Strumpf. Ich wollte das inzwischen lauwarme Wasser durch wärmeres ersetzen. Vorsichtig nahm ich die Mutter von der Flasche und bemerkte die Geburt eines Babies. Die Mutter krabbelte vom Baby fort, die Nabelschnur riss, das Baby lag zwischen meinen Fingern. Sofort versuchte ich das Neugeborene unter die Mutter zu schieben. Vergeblich, sie nahm ihr Junges nicht an. Panik bei mir; was sollte ich tun? War es eine Frühgeburt? Ich war noch nie in so einer Situation. Das Baby sterben lassen?

Weitere Versuche. Die Mutter schnupperte an ihrem Baby, krabbelte wieder fort. Nach 10 Minuten dann ein längeres ablecken der Mutter an ihrem Kind. Es musste aber an die Zitzen und Milch trinken. Die Mutter saß nun regungslos auf dem Boden. Ich schob ihr wiederum vorsichtig das Baby vor die Nase. Wieder schnupperte und beleckte sie, jetzt sehr intensiv, ihr Kind. Um 1.00 Uhr dann endlich fand das Baby die Zitzen. Über ihm die Mutter, welche nun kräftiger ihr Baby leckte. Hoffnung. Ich ging schlafen. Konnte ich jetzt nichts mehr tun. Ich vertraute auf den Mutterinstinkt.

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Die neugeborene Zwergfledermaus (links oben) trinkt
Foto: Bernd Rose

Und tatsächlich hing die Mutter am Morgen senkrecht schlafend an dem Filzgitter. Unter ihrem Flügel das Baby. Ein guter Morgen, voller Hoffnung und Freude.

Nach der ersten Nacht frisst die Mutter Mehlwürmer und putzt sich wieder. Ich werde trotz allem noch die Tierärztin und Fledermausfachfrau Frau Dr. Renate Keil aufsuchen und die Mutter untersuchen lassen. Ich werde noch einige Tage die Fledermäuse betreuen können. Wenn es jedoch um die Auswilderung geht, sind beide Tiere in der Fledermausstation im Welfenbunker in Hannover besser aufgehoben. Hier kann die Mutter mit Gleichgesinnten in die Natur fliegen und sich selbst ernähren. Zum säugen wird sie immer wieder zu ihrem Kind in die Schutzstation zurück kommen. Wenn es dann soweit ist, wird sie ihr Kind mit auf die ersten Erkundungsflüge nehmen. Dann haben sich der Aufwand und die Sorgen gelohnt.

 

Bernd Rose

 

 

 

Bernd Rose

Bei Fragen zu Fledermäusen wenden Sie sich bitte an Bernd Rose

 

Telefon: 05136-81265
Email: bernd.rose@nabu-burgdorf-uetze.de