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19. Juli 2012

Ein Rettungsversuch

Ein Bericht von unserem Fledermausbetreuer Bernd Rose

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Zwergfledermaus
Foto: Gerhard Mäscher

 

In der Nacht zum Freitag war ein etwa drei Tage altes Zwergfledermausbaby von einem Hausgiebel heruntergefallen (das Foto zeigt ein älteres Jungtier). Durch Zufall wurde es vor der Haustür gefunden. Auf Umwegen (über Schweden) erreichte mich der Anruf. Ich riet, das Tier bis zum Abend in ein kleines Handtuch zu wickeln. Um 20.30 Uhr war ich dann im Nachbarort, wusste jedoch schon von der dortigen Geburtstagsfeier auf der Terrasse, bei der ich stören musste.

Zwischen 21:40 und 22:20 Uhr flogen 75 Zwergfledermäuse aus dem oberen Spalt am Hausgiebel. Das Baby hatte ich in einer Pappe auf das Glasdach gestellt in der Hoffnung, durch Rufkontakte die Mutter anzulocken. Kurz nach 22:00 Uhr (es war wohl der 60zigste Ausflug) kam ein Weibchen wieder zurück. Irritiert flog es immer wieder zum Ausflugspalt. Nach endlosen Minuten kreiste sie über dem Glasdach mit dem Karton. Sie landete aber nicht auf der Pappe bei ihrem Baby. Mehrere Mütter gesellten sich kurz dazu. Froh war ich jedoch schon über den Rufkontakt vom Baby zur Mutter. Die kleine Fledermaus - ein Männchen - war gut genährt und fiepte kräftig.

Inzwischen war es 23:00 Uhr, ich fuhr nach Hause, die Gäste feierten weiter. Bei dieser Gelegenheit konnte ich vielen Interessierten Einblicke in die Lebensweise der Fledermäuse geben. Für die Familie mit Kindern wohl sehr faszinierend.

Einen Tag später (Samstag) noch ein Anruf. Das Junge lag noch auf dem Karton. Nach dem nächtlichen Regen hatte ich ihm keine Überlebenschance gegeben. Doch es lebte und war noch kräftig. Es wurde wieder bis zum Abend warm gehalten. Um 21:45 Uhr - kurz vor dem Ausflug der Mutter - wurde über eine Stange ein großes Handtuch gelegt und daran das Zwergfledermausbaby gehängt. Ich hoffte, dass die Mutter ihr Kind aus der senkrechten "Handtuchwand" aufnehmen kann.

Anders als bei Breitflügelfledermäusen oder Mausohren können Zwergfledermäuse nicht auf den Boden fliegen, um dann von dort wieder zu starten. Sie müssen sich zum Fliegen immer fallen lassen. Das war sicher der Grund warum die verzweifelte Mutter ihr Baby nicht aufnehmen konnte. Sie wird wohl die ganze Nacht rufend gekreist sein. Ein weiterer Tag ohne Nahrung wäre der Tod des Babies. Warten wir den nächsten Tag ab.

Über den Detektor hörte ich auch nach dem Ausflug von 75 Tieren immer noch Fledermauslaute aus dem Quartier. Ich konnte nur vermuten, dass weitere Weibchen ihren Nachwuchs gebären. Eine andere Erklärung gibt es nicht. Es ist die Geburtszeit der Zwergfledermäuse.

Nachdem am Sonntagmorgen der kleine Zwerg immer noch an dem Handtuch hing, wurde das Baby durch die Wohnungsinhaber in die Tierhochschule Hannover gebracht, wo es dann von einer Tierärztin (Fledermausexpertin) abgeholt wurde. Es wog nur 1,5 Gramm und hatte noch sein Geburtsgewicht, war also beim Absturz nicht drei Tage sondern gerade einen Tag alt.

Bei der Tierärztin wurde das Fledermausbaby nun alle 2 Stunden mit Ersatzmilch aufgepäppelt. Wie ich erfuhr, flog auch in der zweiten Nacht eine Fledermausmutter immer wieder das Handtuch mit dem Jungen an. Sie landete sogar mehrmals direkt am Jungtier, flog dann aber wieder ab. Diese Reaktion kann nur so bewertet werden, das es sich bei dem Muttertier nicht um die leibliche Mutter, sondern um ein anderes Weibchen handeln musste, welches sein Junges sucht. Es waren bereits zwei tote Jungfledermäuse auf der Terrasse gefunden worden.

Die Tierärztin gab noch folgenden Tipp: Eine große Flasche mit warmen Wasser füllen, einen Strumpf darüber ziehen und dann das Fledermausbaby darauf setzen. Dieser Wärmflascheneffekt hält das Baby warm und an dem rauen Strumpf findet es guten Halt, ebenso die anfliegende Mutter. Sollte das Jungtier bis 1:00 Uhr nachts nicht abgeholt sein, sollte man das hilflose Baby wieder ins Haus nehmen.

 

Bernd Rose

 

 

 

Bernd Rose

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