Nabu Burgdorf-Lehrte-Uetze Kennenlernabend

 

Kennenlernabend

Der NABU Burgdorf, Lehrte, Uetze hatte eingeladen ...

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Flohzirkus mit Ute Coviello
Foto: NABU Burgdorf, Lehrte, Uetze

... und viele kamen in den Dorfkrug in Steinwedel. In einem Verein mit etwa 2000 Mitgliedern kennen sich naturgemäß nicht alle. Dies kann auch kein Kennenlernabend erreichen, aber er bietet die Möglichkeit, andere Mitglieder und den Vorstand des Vereins zu treffen. Etwa 60 Mitglieder waren der Einladung gefolgt und konnten sich auch über einige Arbeitsgebiete des NABU Burgdorf, Lehrte, Uetze informieren.

Der Vorstand hat aufgrund des positiven Echos beschlossen diesen Abend zu einer regelmäßigen Veranstaltung werden zu lassen. Der Termin wird immer im März liegen, allerdings soll der Abend dann NABU-Abend heißen.

Zu den Aktivitäten im Winter gehören Arbeitseinsätze auf den 40 Grundstücken, für die der NABU die Pflege übernommen hat. Um einen Eindruck zu geben, wie diese Einsätze ablaufen - und um vielleicht noch mehr Freiwillige zu interessieren - wurde ein Film gezeigt, den Klaus-Peter Buyken gedreht hat und der außer den Arbeitseinsätzen auch Einblicke in andere Gebiete, z.B. den Fledermausschutz, gab.

Als Anreiz und Belohnung wurden bei jedem der Arbeitseinsätze Lose verteilt, die am Kennenlernabend gezogen und mit Preisen bedacht wurden. Jedes Los gewann und die Gewinner erhielten Bestimmungsbücher, T-Shirts und vieles mehr.

Erwähnt wurde natürlich auch die Ausstellung im Stadtmuseum, auf der sich der NABU im Mai und Juni präsentieren wird. Das Motto dieser Ausstellung "Flöh und Wanzen gehören auch zum Ganzen" hat die Anregung zu einem Flohzirkus gegeben, den Ute Coviello gekonnt vorführte (man beachte das Balancierseil auf dem Foto) ... einer der Flöhe ergriff aber die Flucht und musste aus einem Bierglas befreit werden.

In seiner Einladung zum Kennenlernabend hatte der NABU dazu aufgefordert, Gedanken zum Ausstellungs-Motto zu Papier zu bringen. Hier sind zwei Gedichte, von denen das erste vom Verfasser - Rüdeger Goldmann - unter dem Applaus der Zuhörer vorgetragen wurde:

 

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Rüdeger Goldmann beim Vortrag
Foto: NABU Burgdorf, Lehrte, Uetze

„Flöh' und Wanzen gehören auch zum Ganzen“

Der NABU ist im ganzen Land
für erfolgreichen Artenschutz bekannt.
Die Vielfalt der Tiere will er unbedingt erhalten
und die Umwelt naturgerecht gestalten.
Schleiereulen, Eisvögel, Fledermäuse, er will sie alle retten vorm Verderben
und verhindern, dass existenzbedrohte Arten eines Tages aussterben.

Und nun lädt dieser rührige Verein
uns alle ins Stadtmuseum zu einer Ausstellung ein
zum Schmunzel-Thema „Flöh' und Wanzen,
sie gehören auch zum Ganzen“.
Dieses provokante, ironische Motto klingt nicht schlecht
und der Verein hat damit irgendwie auch Recht.

Doch denk ich an Flöhe, fällt mir ein die mittelalterliche Pest,
die Millionen Menschen dahinraffte in Ost und West.
Die Flöhe am Körper der Ratten waren schuld daran,
sie übertrugen das todbringende Virus auf Kinder, Frau und Mann.
Die Seuche ist heute so gut wie überwunden,
allerdings habe ich noch Spuren der Angst gefunden.

Seht Euch mal die ankernden Kreuzfahrtschiffe in den Häfen an
und tretet bis an die Halteleinen näher heran.
Sie tragen so etwas wie Teller an den Seilen,
damit die Ratten nicht einfach hinüber eilen
und kriechen an Deck, in Kabinen und Vorratskammer
und bringen den Menschen womöglich erneut Krankheit und Jammer.

Ein Beispiel tiefgründiger Angst ist auch die Rattenfänger-Sage,
die erzählt von der mittelalterlichen Hamelner Rattenplage
und wie die Viecher - durch Flötenspiel angelockt - im Wasser der Weser ertranken
und zugleich die todbringenden Flöhe im Fluss versanken.
Der Rattenfänger ist bis heute ein Symbol der Hoffnung und Rettung aus der Not,
der die Bürger bewahrt hat vor schlimmer Krankheit und Tod.

Und was ist los mit den Wanzen?
Gibt es sie wirklich, die nachts in der Kombüse tanzen?
Ich glaube eher, sie wandern
von einem Abfallort zum andern.
Die Menschen werfen heute viel zu viel Essensreste weg,
was für das Ungeziefer bleibt, ist - traurig aber wahr - überall der Dreck.

Rüdeger Goldmann, Februar 2013

 

Ein zweites Gedicht stammt von Fritz Bredemeier:

Die Flöhe und die Wanzen – gehören auch zum Ganzen.
Auch Fliegen und die Mücken; – die könn’n uns nicht entzücken.
Selbst Würmer nicht, und Schaben; – wolln wir bei uns haben.
Wenn Flöhe sich vermehren; – soll ich die noch ernähren!
Genau so wie die Ratten, – die auch welche hatten.

Doch als die Ratten starben, – mußten die Flöhe darben.
Sie wollten sich ernähren. – und wenn wir nicht wären,
ging es ihnen schlecht; – mit Recht!

Denn wo die gegessen, – ne Beule ist gesessen!
Von Tischmanieren keine Spur! – Denen geht’s ums Fressen nur!
Und dort wo sie mich angestochen, – haben sie sich noch erbrochen!
Und von deren Fresse-Fest – kriege ich die Beulenpest!

Die Wanzen und die Flöhe, – das ist doch wohl die Höhe –
die soll ich noch ernähren!! – Aber da will ich mich wehren!
Die Mücken und die Schaben – will ich hier auch nicht haben.
Ich mach sie alle tot; – dann hab ich keine Not.

Warum sind die bloß alle hier, – bei mir?

– doch die Kreatur – die will auch leben nur –
die ist doch auch in Not – und sucht ihr täglich Brot –

Wir Menschen aber wollen nur – uns erhol’n in der Natur.

Aber eines steht doch wohl fest – für die Natur sind wir die Pest.

Fritz Bredemeier, März 2013